12.4.
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13.12.
2026
Nur ein Metzger
der die Tiere liebt
ist ein guter Metzger
Der Titel zum Text, ist ein Zitat des Freiburgers Jean-Pierre Corpataux, besser bekannt unter seinem Künstlernamen «Le Boucher Corpaato». Noch immer bezeichnet er sich gerne als Metzger, auch wenn er den Beruf vor Jahrzehnten an den Nagel gehängt hat. Seit dieser Zeit verbindet er seine ursprüngliche Identität mit seiner Kunst.
Froher Provokateur
mit Gebrauchskunst rund ums Fleisch
Seinen persönlichen Zugang zur Kunst hat «Corpaato» Mitte der Achtzigerjahre gefunden. Der Schlüsselmoment war die Nacht vom 16. auf den 17. August 1991, als er im Fleischmarkt von Rungis in Paris hundert grossformatige Bilder ausstellte. Alle waren inspiriert von der alltäglichen Hektik des Marktbetriebes. Seine Bilder leuchten vor Farbigkeit. Sie sind durchaus provokant. Vor allem aber sind sie Spiegelbild unserer zur Normalität gewordenen, zügellosen Konsumlust.
Inspiriert von den Naiven, findet man deren formale Unbekümmertheit in seinen Bildern. Die Neuen Realisten hinterlassen ihre Spuren in der gewöhnlichen Alltagswirklichkeit der Berufung als Metzger. „Le Boucher Corpaato“ spielt mit der ganzen Klaviatur dieser Gegebenheiten in seinem Werk. Wie der Kunstbetrieb selbst, provoziert er, wo er kann. Er missachtet dabei jede Regel, aber tut es mit Freude. Und ja, sagt er, jedes einzelne Werk habe er zwar schnell, rasend schnell sogar, aber mit Herzblut gemalt! Wer genau hinschaut, findet unter all den Leinwänden sein ganz persönliches, einzigartiges Bild des Künstlers.
Im Röstigraben zuhause
Das stimmt, aber nur im geografischen Sinn. Elegant und wortgewandt wechselt er immerfort vom Französischen ins Freiburgerdeutsch. Dabei kostet er die Sprache silbenweise, vollmundig und dehnt genüsslich den Akzent. Er gehört zu jenen Bewohnern des Röstigrabens, die nie von Zweisprachigkeit sprechen. Sie ist Normalität, Alltag und gehört zu der in Freiburg gelebten, toleranten Kultur.